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Niederung bei Pierre-de-Bresse, derselbe
Tag, 20:30
Sollte innerhalb der nächsten Woche noch
so ein Tag wie heute vorkommen, breche
ich die Reise ab.
Pierre-de-Bresse zwischen Dole und
Chalon-sur-Saône, 07.04.1983, 09:30
Ich kam gestern in Dole gegen 12:15 an,
infolgedessen hatten Banken und
Lebensmittelläden geschlossen und ich
musste mich bis 14:30 herumtreiben.
Dabei stieß ich auf Orte, die mir bekannt
vorkamen, und ich erinnerte mich plötzlich
ganz genau, wie ich mit B. hier Halt
gemacht hatte, auf dem Weg an die
Atlantikküste, nach Mimizan-Plage. Eine
Kirche und einen Platz erkannte ich genau
wieder. Dasselbe Unwohlsein wie damals
ergriff mich an diesem Platz. Eine mir
unsympathische Stadt.
Um 14:30 setzte Musik ein von
Lautsprechern, die entlang der etwa 2 km
langen Ladenzone alle 10m an den
Hauswänden befestigt waren. Reisebüros
und Schuhcenter in alten Häusern.
Geldwechsel und Einkäufe klappten. Dann
Kaffee und Sandwich in einer Bar. Als ich
zahlen wollte, sprach ich offensichtlich das
Wort „payer“ falsch aus, worauf mit der
Ober ein Mineralwasser namens „Perrier“
brachte. Das trank ich dann auch brav. Na
ja, ging noch, es hätte ja auch eine
Flasche teuersten Champagners sein
können.
In der Folge kam ich trotz größter
Anstrengung nur 25 km weit. Über 4/5 der
Strecke bestand aus Ebenen ohne Baum
und Strauch, auf denen der bisher stärkste
Gegenwind blies. Aufgrund der Stärke des
Gegenwindes musste ich, auf einer
topfebenen Strecke, etwa 3 km das Rad
schieben. Rien ne vas plus.
Wenn der Gegenwind nicht aufhört, wenn
der wochenlang so stark bläst, dürfte es
kaum möglich sein, an die Küste zu
gelangen,
Der angesteuerte CP in Petit Noir war zu.
Der vierte in Folge. Ab 18 Uhr begann ich,
einen Zeltplatz zu suchen. Von Westen
rückte eine fahlgelbe Wolkenwand heran.
Ein Wäldchen schien geeignet, doch
nachdem ich 2 bis 3 km darin herum
gefahren war, musste ich es wieder
verlassen: Alle Grasstellen und Raine
morastig, selbst auf Anhöhen. Der Boden
muss sehr lehmhaltig sein.
Also weiter, mit todmüden Beinen. Die
Gegend hier ist für Frankreich
ungewöhnlich dicht besiedelt, ähnlich dem
Remstal. Aber es war schon nach sieben
Uhr abends, die Zeit drängte, und ich
entschied mich notgedrungen für einen
Platz, der mir nicht sehr gefiel, in einem
sehr kleinen Wäldchen mit nassem
lehmigem Boden.
Ich hatte gerade einige Sachen
ausgepackt und das Innenzelt
ausgebreitet, als es zu hageln anfing. Dem
Hagel folgte zwei Minuten später ein
Sturzregen, der mich innerhalb einer
Minute bis auf die Haut durchnässte (in der
Tat, auch die Unterhose war nass). In
einem Anflug von Panik versuchte ich, das
Außenzelt überzuwerfen und alle
Gepäckstücke ins Zelt zu retten. Das
endete damit, dass dass schließlich das
Innenzelt unter Wasser stand und ich in
großen Pfützen kniete. Das war der
Moment, wo ich den lieben Gott ein
Arschloch nannte.
Wäre auf der Stelle eine
Heimfahrtmöglichkeit gewesen, ich hätte
sie wahrgenommen.
Mit Hilfe zweier Handtücher, die ich
mehrmals auswrang, legte ich das Zelt
trocken und trank dazu drei Biere. Der
Boden rings um das Zelt hatte sich in einen
2–3 cm tiefen Morast verwandelt. Die
Reise war zur Strapaze geworden.
Ich kann die Bedeutung von Haus und
Feuer erahnen.
In der Nacht regnete es erneut. Heute
morgen regnet es. Es regnet seit
Karfreitag, seit sechs
Tagen regnet es, mit
Unterbrechung von
höchstens vier bis fünf
Stunden.
Das macht keinen Spaß mehr und hat, so
es so weiter geht, auch keinen Sinn, der
sich mir kurzfristig erschließt.
Es sind noch zwei Dinge nachzutragen.
1. Hunde. Das Durchfahren der kleinen
Dörfchen wird wegen ihnen zum Stress,
und ich habe mir schon überlegt, das
mitgenommene CS-Spray bereit zu halten.
Einmal sprang mich während der Fahrt ein
großer Hund an, verfehlte mich zum Glück
und prallte gegen meine Satteltasche, dass
das Rad nur so wankte. Ein anderes Mal
konnte eine Frau gerade noch eine
Gartentür vor einem auf mich
zustürzenden Schäferhund schließen.
Radfahrende sind für Hunde von
bedeutender Anziehungskraft.
2. Abschiedsgeschenke. Von C. und P.
Sowohl Cola als auch Bier waren wahrlich
erquickend am ersten Tag nach der
Trennung und erinnerten freundlich und
dankbar an die Spender.
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