Wir fuhren dann über Brumath und Vendenheim nach Achenheim. Die älteren Leute der Gegend, aber auch schon ab 35 bis 40jährige, sprechen eine Art Schwyzerdütsch als Umgangssprache, können daneben natürlich auch Französisch. Auf dem Markt erstanden wir größere Mengen Blutwust und sehr grober Mettwurst, die wir an einem Kanal im Brumather Wald mit größtem Vergnügen verzehrten; ein Angler saß uns gegenüber, eine Frachtfähre passierte eine erstaunlich schmale Brücke. Hier war schon ersichtlich, dass die Tagesstrecke nicht besonders erklecklich sein würde. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen wurden wir zwar kaum von Schauern gestört, dafür machte uns der Gegenwind oder zumindest Halbgegenwind ziemlich zu schaffen. Viele Straßendörfer auf dem Weg; die Häuser mit hohem Toreingang, der in die Hofmitte führt; alle meist U-förmig angelegt. Ständen nicht Autos im Hof, könnte man sich viele Jahrzehnte, wenn nicht ein oder zwei Jahrhunderte zurück versetzt fühlen. Teils auch engstirnige Bauernschädel („Verkratzet mer net mei Haus“, beim Anlehnen des Fahrrads an diese, und der Bitte um Wasser). Schlafplatz zwischen Kolbsheim und Ernoldsheim-Bruche. Straßennähe und wenig Wald, aber der nächste laut Karte gute Platz wäre erst 10 km weiter gewesen. Leider haben auch hier die Läden mittwochnachmittags geschlossen. Charly nimmt des abends nach sechsunddreißig Stunden zum ersten Mal wieder seine Mütze ab.   24.03.1983, 10:00 Trübes Wetter heute morgen, bis vor kurzem regnete es fast ununterbrochen, aber jetzt scheint es besser zu werden. Die Stimmung hat sich nach dem Frühstück gebessert. Heute sollten wir einen Campingplatz finden. Obernai, Freitag 25.03.1983, 10:15 Am gestrigen Tag gab es einen gewaltigen Rückschlag in puncto Kondition; wir fuhren nur etwa 15 km! Schon vorgestern waren die Kräfte am Schwinden. Ursachen? Sicherlich der ununterbrochene Gegenwind, aber auf irgendeine Weise scheinen auch Ernährung und Verdauung eine Rolle zu spielen. In Krautergersheim hatte ich nahezu einen Schwächeanfall und war ziemlich in Schweiss gebadet. Zu all dem kam noch, dass Charly bei einem Telefonanruf zu Hause erfahren hatte, dass er für den nächsten Dienstag eine Vorladung vom Arbeitsamt bekommen hatte. Wir suchten infolgedessen die nächste Kneipe auf in Krautergersheim, Essen gab es noch, vermutlich das, was die Gastwirtsfamilie nebenan aß; sehr gut und sehr preiswert. Das „Schwyzerdütsch“ oder was immer hier gesprochen wird ist allgemeine Umgangssprache, aber nahezu unverständlich; immer nur einzelne Sätze sagen mir etwas. Wir quälten uns anschließend bergauf nach Obernai am Fuße der Vogesen und umrundeten (überflüssigerweise) das Städtchen, um den Campingplatz zu finden. Der befindet sich zwar neben zwei Straßen, in der Stadt, aber: ebener Zeltplatz, und: warme Dusche! Dann tranken wir Bier, spielten wir Gitarre und Flöte; das klappte jedoch gar nicht. Charly schluckte eindreiviertel Flaschen Rotwein, und ward trunken. In der Nacht fiel fast ununterbrochen der Regen, zuweilen in Schneeregen übergehend; am nächsten Morgen war es eiskalt. Selbst an den unteren Hängen der Vogesen liegt Schnee. In der Post telefonierte Charly mit der Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt; dies klappte so recht und schlecht, Charly war nicht besonders fit und von Anfang an schlecht gelaunt. Ein Aufschub scheint allerdings erreicht. Dann aßen wir schon wieder im Restaurant; dies darf nicht Routine werden, es übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten. In Anbetracht der Umstände und des kalten Wetters wegen bleiben wir (auf Charlys Wunsch) noch mal hier und fahren erst morgen weiter. Obernai, Samstag 26.03.1983, 18:00 Wir sind immer noch hier; das Wetter hat sich noch verschlechtert. Nach dem gestrigen Mittagessen schauten wir uns Obernai an; ganz interessantes Städtchen mit sehr schönen Fachwerkhäusern und imposanten Kirchen.
Die Radreise Die Radreise Die Radreise
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Wir fuhren dann über Brumath und Vendenheim nach Achenheim. Die älteren Leute der Gegend, aber auch schon ab 35 bis 40jährige, sprechen eine Art Schwyzerdütsch als Umgangssprache, können daneben natürlich auch Französisch. Auf dem Markt erstanden wir größere Mengen Blutwust und sehr grober Mettwurst, die wir an einem Kanal im Brumather Wald mit größtem Vergnügen verzehrten; ein Angler saß uns gegenüber, eine Frachtfähre passierte eine erstaunlich schmale Brücke. Hier war schon ersichtlich, dass die Tagesstrecke nicht besonders erklecklich sein würde. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Tagen wurden wir zwar kaum von Schauern gestört, dafür machte uns der Gegenwind oder zumindest Halbgegenwind ziemlich zu schaffen. Viele Straßendörfer auf dem Weg; die Häuser mit hohem Toreingang, der in die Hofmitte führt; alle meist U-förmig angelegt. Ständen nicht Autos im Hof, könnte man sich viele Jahrzehnte, wenn nicht ein oder zwei Jahrhunderte zurück versetzt fühlen. Teils auch engstirnige Bauernschädel („Verkratzet mer net mei Haus“, beim Anlehnen des Fahrrads an diese, und der Bitte um Wasser). Schlafplatz zwischen Kolbsheim und Ernoldsheim-Bruche. Straßennähe und wenig Wald, aber der nächste laut Karte gute Platz wäre erst 10 km weiter gewesen. Leider haben auch hier die Läden mittwochnachmittags geschlossen. Charly nimmt des abends nach sechsunddreißig Stunden zum ersten Mal wieder seine Mütze ab.  24.03.1983, 10:00 Trübes Wetter heute morgen, bis vor kurzem regnete es fast ununterbrochen, aber jetzt scheint es besser zu werden. Die Stimmung hat sich nach dem Frühstück gebessert. Heute sollten wir einen Campingplatz finden. Obernai, Freitag 25.03.1983, 10:15 Am gestrigen Tag gab es einen gewaltigen Rückschlag in puncto Kondition; wir fuhren nur etwa 15 km! Schon vorgestern waren die Kräfte am Schwinden. Ursachen? Sicherlich der ununterbrochene Gegenwind, aber auf irgendeine Weise scheinen auch Ernährung und Verdauung eine Rolle zu spielen. In Krautergersheim hatte ich nahezu einen Schwächeanfall und war ziemlich in Schweiss gebadet. Zu all dem kam noch, dass Charly bei einem Telefonanruf zu Hause erfahren hatte, dass er für den nächsten Dienstag eine Vorladung vom Arbeitsamt bekommen hatte. Wir suchten infolgedessen die nächste Kneipe auf in Krautergersheim, Essen gab es noch, vermutlich das, was die Gastwirtsfamilie nebenan aß; sehr gut und sehr preiswert. Das „Schwyzerdütsch“ oder was immer hier gesprochen wird ist allgemeine Umgangssprache, aber nahezu unverständlich; immer nur einzelne Sätze sagen mir etwas. Wir quälten uns anschließend bergauf nach Obernai am Fuße der Vogesen und umrundeten (überflüssigerweise) das Städtchen, um den Campingplatz zu finden. Der befindet sich zwar neben zwei Straßen, in der Stadt, aber: ebener Zeltplatz, und: warme Dusche! Dann tranken wir Bier, spielten wir Gitarre und Flöte; das klappte jedoch gar nicht. Charly schluckte eindreiviertel Flaschen Rotwein, und ward trunken. In der Nacht fiel fast ununterbrochen der Regen, zuweilen in Schneeregen übergehend; am nächsten Morgen war es eiskalt. Selbst an den unteren Hängen der Vogesen liegt Schnee. In der Post telefonierte Charly mit der Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt; dies klappte so recht und schlecht, Charly war nicht besonders fit und von Anfang an schlecht gelaunt. Ein Aufschub scheint allerdings erreicht. Dann aßen wir schon wieder im Restaurant; dies darf nicht Routine werden, es übersteigt unsere finanziellen Möglichkeiten. In Anbetracht der Umstände und des kalten Wetters wegen bleiben wir (auf Charlys Wunsch) noch mal hier und fahren erst morgen weiter. Obernai, Samstag 26.03.1983, 18:00 Wir sind immer noch hier; das Wetter hat sich noch verschlechtert. Nach dem gestrigen Mittagessen schauten wir uns Obernai an; ganz interessantes Städtchen mit sehr schönen Fachwerkhäusern und imposanten Kirchen.
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