CP bei Monstereux-Milieu nähe Vienne, Mittwoch, 13.04.1983 Heute ist es genau vier Wochen her, seit ich auf die Reise gegangen bin. Den „Intermarché“ habe ich gefunden, den Weg aus der Stadt ebenfalls recht gut. Das letztere ist im Übrigen allgemein ein größeres Problem: Großrichtungen für die Autofahrer sind sehr gut bezeichnet, für Vororte oder kleine Dörfer existieren meist überhaupt keine Hinweisschilder. Hier käme mir ein Kompass zupass. Es war allerdings schon reichlich spät. Die Fahrt ging durch ein Gebiet mit unzähligen Seen. In Villars-les-Dombs, ich mag es kaum noch hinschreiben, war der CP geschlossen. Es war schon nach 19 Uhr, und ich versuchte so rasch als möglich einen Übernachtungsplatz zu finden. Es war eine sehr unsympathische Gegend. Überall bellten Hunde, an jeder kleinen Einfahrt zu einer Wiese oder einem Wald standen große Schilder, die sich den Eintritt verbaten und auf Privateigentum hinwiesen. Ich fuhr deswegen vergeblich auf Nebenwegen, sicherlich einige Kilometer weit. In diesem Seengebiet waren darüber hinaus überall der Boden mit Pfützen übersät, Feld- und Waldwege oft unpassierbar. Es war immer kälter geworden, eine feuchte, klamme Kälte. Ich landete schließlich in einem Wald bei Monthieux, nordöstlich von Lyon. Der lyoner Flughafen Satolas war nur etwa 15 km entfernt, ab und an düste ein Jet recht niedrig über mich. Ich beneidete die Insassen um ihre Art des Reisens. Die Nacht war einsam, etwas deprimierend, und feuchtkalt. Am Morgen regnete es, und ich baute wieder einmal das Zelt im Regen ab. Die Fahrt ging flott ab: Zum ersten Mal richtigen Rückenwind! Aber es war kalt. Vor Chaponnay, zwischen Lyon und Vienne, stellten sich dann wieder Ärger und Stress ein. Es begann damit, dass ich die Orientierung verlor, Straßen und Karten widersprachen sich. An einer Krezung hörte ich dann, dass Luft aus dem Hinterrad entwich. Ich schleppte mich bis Chaponay, packte Gepäck ab und aus, montierte das Hinterrad ab. Das war nun die fünfte Panne (eine Vorderradpanne hatte ich nicht erwähnt), davon vier innerhalb der letzten Woche. Das nervt. Als alles schön ausgepackt war, begann es wieder leicht zu regnen. Das nervt. Der erste Flicken hielt nicht. Das nervt. Der Wind wehte Gepäckstücke weg. Das nervt sehr. Der hintere Mantel ist völlig abgefahren, eine Folge der hohen Auflagelast und der rauen französischen Straßen, ich muss ihn bei gutem Wetter gegen den vorderen austauschen; das gleiche gilt für den strapazierten Schlauch. Am späteren Nachmittag wurde dann das Wetter besser, ich durchfuhr Vienne und radelte Richtung Vernioz. Ich hätte in Vienne bleiben sollen, der CP hier in Monsteroux ist nicht schön. Es ist sehr kalt im Augenblick; alle halbe Stunde geht ein feinkörniger Hagelschauer nieder. Ich fahre vielleicht jetzt doch noch zum nächsten CP in Albon, in dem man hoffentlich keine Warmduschjetons wie hier braucht. CP in Albon, Donnerstag, 14.04.1983, 10:00 Jetons braucht man hier nicht, aber die Dusche ist schlechter. Von Vernioz bis Albon waren es laut Karte zwar nur 25 bis 30 km, aber auch die können natürlich Überraschungen bergen. Auf dem kleinen Sträßchen, das ich mir zum Fahren ausgesucht hatte, tauchten immer wieder Abzweigungen auf, von denen die Karte nichts wusste, und so wusste bald ich nicht mehr genau, wo ich war. Der Weg wurde immer schmaler, aber immer noch asphaltiert; er endete jedoch plötzlich an einem Bach und setzte sich, immer noch mehr oder weniger asphaltiert, an seinem anderen Ufer fort. Da ich gerade einige Kilometerchen bergab gefahren war, kam Umkehr für mich so gut wie nicht in Betracht. Ich zog also Schuhe und Strümpfe aus und versuchte das Rad durch zu schieben. Die Strömung war nicht stark, das aber Wasser etwa 30 bis 40 cm tief, und am Grund lagen große rund glitschige Steine, die mir und vor allem dem 45 kg schweren Rad doch Probleme bereiteten. Das war vor Coinand; wenige Kilometer später wurde ich für die nassen Füße entschädigt: Zwar ging die Teerstraße in einen holprigen Feldweg über, aber die Sonne schien sehr schön, und vor alledem: Es blies ein so kräftiger Rückenwind, dass ich allein ohne zu treten über 200 m im Schritttempo fuhr, und dies auf einer Strecke, die zumindest eben war, wenn nicht sogar leicht bergauf ging. Am CP in Albon wurde die Freude leicht getrübt, da ich einen unschönen Zeltplatz zugewiesen bekam. Die Zuweisung verbrach eine Frau, die wie eine alte Schlosshexe aussah und auch so gekleidet war. Sobald die Wäsche einigermaßen getrocknet ist, fahre ich weiter. Vielleicht bis Touron, vielleicht sogar bis Valence. Der Engländer aus Sussex, damals in Gigny, scheint recht zu haben mit seiner Äußerung, der Mistral wehe meerwärts und werde mich hinunterblasen. Auch das Wetter wird besser, die Sonne scheint. Die Apfelbäume stehen hier bereits in voller Blüte, neben den weißblühenden sieht man hier auch viele rotblühende. Häuser, und ganz allmählich auch die Vegetation, beginnen nun mediterran zu werden.
Die Radreise Die Radreise Die Radreise
Siegfried Trapp
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CP bei Monstereux-Milieu nähe Vienne, Mittwoch, 13.04.1983 Heute ist es genau vier Wochen her, seit ich auf die Reise gegangen bin. Den „Intermarché“ habe ich gefunden, den Weg aus der Stadt ebenfalls recht gut. Das letztere ist im Übrigen allgemein ein größeres Problem: Großrichtungen für die Autofahrer sind sehr gut bezeichnet, für Vororte oder kleine Dörfer existieren meist überhaupt keine Hinweisschilder. Hier käme mir ein Kompass zupass. Es war allerdings schon reichlich spät. Die Fahrt ging durch ein Gebiet mit unzähligen Seen. In Villars-les-Dombs, ich mag es kaum noch hinschreiben, war der CP geschlossen. Es war schon nach 19 Uhr, und ich versuchte so rasch als möglich einen Übernachtungsplatz zu finden. Es war eine sehr unsympathische Gegend. Überall bellten Hunde, an jeder kleinen Einfahrt zu einer Wiese oder einem Wald standen große Schilder, die sich den Eintritt verbaten und auf Privateigentum hinwiesen. Ich fuhr deswegen vergeblich auf Nebenwegen, sicherlich einige Kilometer weit. In diesem Seengebiet waren darüber hinaus überall der Boden mit Pfützen übersät, Feld- und Waldwege oft unpassierbar. Es war immer kälter geworden, eine feuchte, klamme Kälte. Ich landete schließlich in einem Wald bei Monthieux, nordöstlich von Lyon. Der lyoner Flughafen Satolas war nur etwa 15 km entfernt, ab und an düste ein Jet recht niedrig über mich. Ich beneidete die Insassen um ihre Art des Reisens. Die Nacht war einsam, etwas deprimierend, und feuchtkalt. Am Morgen regnete es, und ich baute wieder einmal das Zelt im Regen ab. Die Fahrt ging flott ab: Zum ersten Mal richtigen Rückenwind! Aber es war kalt. Vor Chaponnay, zwischen Lyon und Vienne, stellten sich dann wieder Ärger und Stress ein. Es begann damit, dass ich die Orientierung verlor, Straßen und Karten widersprachen sich. An einer Krezung hörte ich dann, dass Luft aus dem Hinterrad entwich. Ich schleppte mich bis Chaponay, packte Gepäck ab und aus, montierte das Hinterrad ab. Das war nun die fünfte Panne (eine Vorderradpanne hatte ich nicht erwähnt), davon vier innerhalb der letzten Woche. Das nervt. Als alles schön ausgepackt war, begann es wieder leicht zu regnen. Das nervt. Der erste Flicken hielt nicht. Das nervt. Der Wind wehte Gepäckstücke weg. Das nervt sehr. Der hintere Mantel ist völlig abgefahren, eine Folge der hohen Auflagelast und der rauen französischen Straßen, ich muss ihn bei gutem Wetter gegen den vorderen austauschen; das gleiche gilt für den strapazierten Schlauch. Am späteren Nachmittag wurde dann das Wetter besser, ich durchfuhr Vienne und radelte Richtung Vernioz. Ich hätte in Vienne bleiben sollen, der CP hier in Monsteroux ist nicht schön. Es ist sehr kalt im Augenblick; alle halbe Stunde geht ein feinkörniger Hagelschauer nieder. Ich fahre vielleicht jetzt doch noch zum nächsten CP in Albon, in dem man hoffentlich keine Warmduschjetons wie hier braucht. CP in Albon, Donnerstag, 14.04.1983, 10:00 Jetons braucht man hier nicht, aber die Dusche ist schlechter. Von Vernioz bis Albon waren es laut Karte zwar nur 25 bis 30 km, aber auch die können natürlich Überraschungen bergen. Auf dem kleinen Sträßchen, das ich mir zum Fahren ausgesucht hatte, tauchten immer wieder Abzweigungen auf, von denen die Karte nichts wusste, und so wusste bald ich nicht mehr genau, wo ich war. Der Weg wurde immer schmaler, aber immer noch asphaltiert; er endete jedoch plötzlich an einem Bach und setzte sich, immer noch mehr oder weniger asphaltiert, an seinem anderen Ufer fort. Da ich gerade einige Kilometerchen bergab gefahren war, kam Umkehr für mich so gut wie nicht in Betracht. Ich zog also Schuhe und Strümpfe aus und versuchte das Rad durch zu schieben. Die Strömung war nicht stark, das aber Wasser etwa 30 bis 40 cm tief, und am Grund lagen große rund glitschige Steine, die mir und vor allem dem 45 kg schweren Rad doch Probleme bereiteten. Das war vor Coinand; wenige Kilometer später wurde ich für die nassen Füße entschädigt: Zwar ging die Teerstraße in einen holprigen Feldweg über, aber die Sonne schien sehr schön, und vor alledem: Es blies ein so kräftiger Rückenwind, dass ich allein ohne zu treten über 200 m im Schritttempo fuhr, und dies auf einer Strecke, die zumindest eben war, wenn nicht sogar leicht bergauf ging. Am CP in Albon wurde die Freude leicht getrübt, da ich einen unschönen Zeltplatz zugewiesen bekam. Die Zuweisung verbrach eine Frau, die wie eine alte Schlosshexe aussah und auch so gekleidet war. Sobald die Wäsche einigermaßen getrocknet ist, fahre ich weiter. Vielleicht bis Touron, vielleicht sogar bis Valence. Der Engländer aus Sussex, damals in Gigny, scheint recht zu haben mit seiner Äußerung, der Mistral wehe meerwärts und werde mich hinunterblasen. Auch das Wetter wird besser, die Sonne scheint. Die Apfelbäume stehen hier bereits in voller Blüte, neben den weißblühenden sieht man hier auch viele rotblühende. Häuser, und ganz allmählich auch die Vegetation, beginnen nun mediterran zu werden.
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