Diario de un motociclista/7
Vallegrande, Samstag, 22.5.2006, km 2335, Tag 24
Der Bericht brach ab im Refugio de los Volcanes
Das Ding ging hoch. Lob der Honda RX 400! Die Hälfte des Gepäcks nahm
ich mit. Alles im 1. Gang, schlammig, steil, schlitternd; vier Kilometer das Steiltal hoch
mit den Füßen unten, einmal mit Karacho durch ein hohes trockenes Geäst, das mitten
auf dem Weg an einer Stelle mit Planken, die zu treffen waren, lag, aber da blieb ich
hängen und würgte den Motor ab. Vorsichtig ausgedrückt die technisch bislang
anspruchsvollste Strecke.
In den Motorradstiefeln dann zu Fuß drei Kilometer wieder runter. Der Toyota, der
mein anderes Gepäckstück hoch bringen sollte, ich hatte es
nicht anders erwartet, war wieder in der ersten
schlammigen Steilkurve hängen geblieben. Wir
legten Äste und Steine unter die Räder; nach 1½
Stunden gaben wir auf. Zu dritt schleppten wir
meine etwa 25 kg schwere Reisetasche die
fehlenden drei Kilometer den Berg hinauf; dann
kehrten die
anderen zurück, um erneut im Refugio zu übernachten. Im Dorf Bermejo informierte
ich den Mann mit dem Pferd (der leider nicht gekommen war), auf dass er für die
Anderen noch am gleichen Abend Lebensmittel ins Refugio schaffe und für den
nächsten Tag 4 Leute organisiere, die den Toyota ausgrüben(oder grammatikalisch so
ähnlich).
Es war spät geworden; an die geplante Strecke bis nach Vallegrande war nicht mehr zu
denken. Von Bermejo aus fuhr ich bergauf, es wurde immer kälter auf dem Motorrad.
10 km vor Samaipata, kurz vor dem Dunkelwerden, konnte ich praktisch nicht mehr
die Kupplung betätigen, da die Finger trotz der Lederhandschuhe steif vor Kälte waren.
Im „Landhaus“ in Samaipata angekommen, packte mich Schüttelfrost. Erst nach 10
Minuten Aufwärmen vor einem Gasofen konnte ich das Motorrad in die Garage
schaffen.
Den Abend verbrachte ich mit dem Besitzer des „Landhauses“, Georg, und seinem
Sohn, der das daneben liegende Restaurant bewirtschaftet, und einigen Gläsern
„Campos de Solana“. Georg ist inzwischen 62, und will aus gesundheitlichen Gründen
nach einer Ewigkeit in Bolivien wieder nach Deutschland zurück. In Samaipata gehen,
trotz der Attraktion der von Erich von Däniken berühmt gemachten historischen Stätte
„El Fuerte“, seit Jahren die Geschäfte schlecht. Schon in Santa Cruz hörte ich Klagen
von Seiten der Gastronomie und des Hotelgewerbes.
Temperatur in der Nacht in Samaipata: Gefühlte Null Grad Celsius.
In der Nacht und den frühen Morgenstunden hatte ich starke Kopfschmerzen,
vermutlich von der Kälte (und natürlich nicht vom Wein).
Gegen 11 Uhr Weiterfahrt. Zurück zur Tankstelle am Ortseingang, Benzin und Öl wie
immer, und dann der Blackout: Ich verwechsele die Fahrtrichtung. Fahre insgesamt
etwa 60 km, wundere mich noch über gleiche Ortsnamen, und stelle erst an der
Schranke von Angostura fest, dass ich wieder Richtung Santa Cruz gefahren war. 120
km nicht umsonst, aber vergeblich, sieht man von der motorradmäßig wunderschönen
Strecke ab. Zurück ohne Zögern, und mit relativ wenig Gram (aber gewissen
Selbstzweifeln).
Im Ort Matanal ist dann die Abzweigung nach Vallegrande; auf einer
Erd-Kies-Strasse sind noch etwa 50 km zurückzulegen. Es geht ein weites
großes Tal bergauf; nach vier Uhr nachmittags wird es wieder sehr kalt.
Am Ende des großen Tals liegt Vallegrande. Die Stadt macht einen sehr
ursprünglichen Eindruck. Zwei Nonnen empfehlen mir ein Hotel, das es zwar nicht gibt,
aber bei einer weiteren Frage danach an einer belebten Kreuzung erwische ich
ausgerechnet den Besitzer des einzig akzeptablen Hotels, der mir den Weg zu seinem
Besitz weist. Das Hostal „Marquez“ ist relativ modern eingerichtet, nicht zu erwarten im
staubigen Vallegrande, und, man es kaum glauben, es kostet ganze 45 Bolivianos (ca. 5
€) sogar mit (allerdings sehr spartanischem) Frühstück. Das Preisparadies geht weiter,
das Taxi verlangt für die Fahrt hoch zum Restaurant „Mirador“ mit
Blick über Vallegrande 3 Bs. Das Essen im „Mirador“ ist
empfehlenswert, der Besitzer Erich, ein vor 30 Jahren nach der DED-
Tätigkeit hier gebliebener Bayer, ist Jahrgang 1929 oder 1930, und
weiß einiges zu erzählen, auch aus der bolivianischen Geschichte und
aus dem tausendjährigen Reich. Hier muss angemerkt werden, dass
alle in Bolivien ansässige Deutsche, die ich bislang auf der Reise
gesprochen habe, sich als absolute Gegner des Nazi-Wahnsinns
herausgestellt haben. Eventuelle diesbezügliche vorhandene Vorurteile
über Deutsche in Südamerika müssten also etwas korrigiert werden.
Die Nacht ist wiederum kalt in Vallegrande, obwohl nur etwas über 2000m hoch
gelegen.
© strapp 2019
Diario de un motociclista/7
Vallegrande, Samstag, 22.5.2006, km
2335, Tag 24
Der Bericht
brach ab im
Refugio de los
Volcanes
Das Ding ging
hoch. Lob der Honda RX 400! Die Hälfte
des Gepäcks nahm ich mit. Alles im 1.
Gang, schlammig, steil, schlitternd; vier
Kilometer das Steiltal hoch mit den Füßen
unten, einmal mit Karacho durch ein
hohes trockenes Geäst, das mitten auf dem
Weg an einer Stelle mit Planken, die zu
treffen waren, lag, aber da blieb ich hängen
und würgte den Motor ab. Vorsichtig
ausgedrückt die technisch bislang
anspruchsvollste Strecke.
In den Motorradstiefeln dann zu Fuß drei
Kilometer wieder runter. Der Toyota, der
mein anderes Gepäckstück hoch bringen
sollte, ich hatte es nicht anders erwartet,
war wieder in der ersten schlammigen
Steilkurve hängen geblieben. Wir legten
Äste und
Steine unter
die Räder; nach
1½ Stunden gaben wir auf. Zu dritt
schleppten wir meine etwa 25 kg schwere
Reisetasche die fehlenden drei Kilometer
den Berg hinauf; dann kehrten die anderen
zurück, um erneut im Refugio zu
übernachten. Im Dorf Bermejo informierte
ich den Mann mit dem Pferd (der leider
nicht gekommen war), auf dass er für die
Anderen noch am gleichen Abend
Lebensmittel ins Refugio schaffe und für
den nächsten Tag 4 Leute organisiere, die
den Toyota ausgrüben(oder
grammatikalisch so ähnlich).
Es war spät geworden; an die geplante
Strecke bis nach Vallegrande war nicht
mehr zu denken. Von Bermejo aus fuhr ich
bergauf, es wurde immer kälter auf dem
Motorrad. 10 km vor Samaipata, kurz vor
dem Dunkelwerden, konnte ich praktisch
nicht mehr die Kupplung betätigen, da die
Finger trotz der Lederhandschuhe steif vor
Kälte waren. Im „Landhaus“ in Samaipata
angekommen, packte mich Schüttelfrost.
Erst nach 10 Minuten Aufwärmen vor
einem Gasofen konnte ich das Motorrad in
die Garage schaffen.
Den Abend verbrachte ich mit dem
Besitzer des „Landhauses“, Georg, und
seinem Sohn, der das daneben liegende
Restaurant bewirtschaftet, und einigen
Gläsern „Campos de Solana“. Georg ist
inzwischen 62, und will aus
gesundheitlichen Gründen nach einer
Ewigkeit in Bolivien wieder nach
Deutschland zurück. In Samaipata gehen,
trotz der Attraktion der von Erich von
Däniken berühmt gemachten historischen
Stätte „El Fuerte“, seit Jahren die
Geschäfte schlecht. Schon in Santa Cruz
hörte ich Klagen von Seiten der
Gastronomie und des Hotelgewerbes.
Temperatur in der Nacht in Samaipata:
Gefühlte Null Grad Celsius.
In der Nacht und den frühen
Morgenstunden hatte ich starke
Kopfschmerzen, vermutlich von der Kälte
(und natürlich nicht vom Wein).
Gegen 11 Uhr Weiterfahrt. Zurück zur
Tankstelle am Ortseingang, Benzin und Öl
wie immer, und dann der Blackout: Ich
verwechsele die Fahrtrichtung. Fahre
insgesamt etwa 60 km, wundere mich
noch über gleiche Ortsnamen, und stelle
erst an der Schranke von Angostura fest,
dass ich wieder Richtung Santa Cruz
gefahren war. 120 km nicht umsonst, aber
vergeblich, sieht man von der
motorradmäßig wunderschönen Strecke
ab. Zurück ohne Zögern, und mit relativ
wenig Gram (aber gewissen
Selbstzweifeln).
Im Ort Matanal ist dann die Abzweigung
nach Vallegrande; auf einer Erd-Kies-
Strasse sind noch etwa 50 km
zurückzulegen. Es geht ein
weites großes Tal bergauf;
nach vier Uhr nachmittags
wird es wieder sehr kalt.
Am Ende des großen Tals
liegt Vallegrande. Die Stadt macht einen
sehr ursprünglichen Eindruck. Zwei
Nonnen empfehlen mir ein Hotel, das es
zwar nicht gibt, aber bei einer weiteren
Frage danach an einer belebten Kreuzung
erwische ich ausgerechnet den Besitzer des
einzig akzeptablen Hotels, der mir den
Weg zu seinem Besitz weist. Das Hostal
„Marquez“ ist relativ modern eingerichtet,
nicht zu erwarten im staubigen
Vallegrande, und, man es kaum glauben,
es kostet ganze 45 Bolivianos (ca. 5 €)
sogar mit (allerdings sehr spartanischem)
Frühstück. Das Preisparadies geht weiter,
das Taxi verlangt für die Fahrt hoch zum
Restaurant „Mirador“ mit Blick über
Vallegrande 3 Bs. Das Essen
im „Mirador“ ist
empfehlenswert, der
Besitzer Erich, ein vor 30
Jahren nach der DED-
Tätigkeit hier gebliebener
Bayer, ist Jahrgang 1929 oder 1930, und
weiß einiges zu erzählen, auch aus der
bolivianischen Geschichte und aus dem
tausendjährigen Reich. Hier muss
angemerkt werden, dass alle in Bolivien
ansässige Deutsche, die ich bislang auf der
Reise gesprochen habe, sich als absolute
Gegner des Nazi-Wahnsinns herausgestellt
haben. Eventuelle diesbezügliche
vorhandene Vorurteile über Deutsche in
Südamerika müssten also etwas korrigiert
werden.
Die Nacht ist wiederum kalt
in
Vallegrande, obwohl nur
etwas über 2000m hoch
gelegen.