Sucre, Samstag, den 27.5.2006, Tag 29
Am Freitagabend bin ich in dem (kleinen) Café „Gnadenlos“ (es heißt tatsächlich so),
zwei Blocks von der Plaza entfernt. Es wurde von einem hängengebliebenen
Mecklenburg-Vorpommener, vor der Wende bei der Volksarmee, ganz gemütlich
eingerichtet, aber außer einem jungen Dresdener, der den ganzen Abend auf sein
Laptop starrte und zu meinem Gespräch mit dem Kneipenwirt über DDR und
Nachwendezeit innerhalb zweier Stunden höchstens fünf jeweils einsilbige Wörter
dazu warf, verirrte sich so gut wie niemand in das Lokal.
Die Hausbesitzer Sucres sind übrigens verpflichtet, jährlich (oder war es
zweijährlich?) ihre Häuser neu zu streichen, und die Farbe weiß ist obligatorisch,
ansonsten setzt es empfindliche Geldstrafen.
Wenige Kilometer außerhalb Sucres steht auf der Strasse Richtung Cochabamba der
„Cal Orck’o“, der Kalkberg, auf dem Gelände einer Zementfabrik: Mein Ziel am
nächsten Tag. In einer riesigen 80 Grad steilen Wand
befinden sich die weltberühmten Dinosaurierspuren;
über 5000 von 332 Arten sollen es sein. Es wird
versucht, die Spuren vor der Verwitterung zu schützen,
durch Regenkanäle oben auf der Wand (auch ein Dach,
das müsste aber gigantische Ausmaße haben, bzw. die
Versiegelung mit Silikon sei geplant); das Unterfangen
erscheint mir aber aussichtslos. Die Schichten bröckeln leicht
ab (auch die Besucher durften reingreifen); der einzige Vorteil
ist, dass so in tieferen Schichten neue Spuren erscheinen, wie
erst in diesem Jahr geschehen. Möglicherweise helfen dabei
auch die Erschütterungen durch die schweren Erdbewegungs-
maschinen der Zementfabrik, die in wenigen Metern Abstand
von der Wand weiterhin tätig sind.
Das Motorrad sollte heute Vormittag fertig sein; als ich da hinkam, stand nur das
nackte Gerippe des Rahmens dort, der Motor komplett in Einzelteile zerlegt, zwei
Ventile verrußt, eines undicht. Neuer Termin: Vier Uhr nachmittags. Jetzt ist es
sieben Uhr abends, und kein Moto da.
Aber kurz nach acht ist es da. Hoffentlich hälts.
Entweder ist der Muttertag Schuld, oder Sucre ist doch ein verdammt verschlafenes
Nest: Um halb Zehn abends sind vier Leute im „Kulturcafé Berlin“, um halb elf nur
noch Einer: Ich. Auch die vielen anderen Kneipen sind leer, das „Gnadenlos“ mit den
zwei etwas verschreckten Typen sowieso.
Tagsüber ist es einiges wärmer als in La Paz, aber nachts wird es jetzt auch in Sucre
(2750m) empfindlich kühl.
Sucre, Samstag, den 27.5.2006, Tag
29
Am Freitagabend bin ich in dem (kleinen)
Café „Gnadenlos“ (es heißt tatsächlich so),
zwei Blocks von der Plaza entfernt. Es
wurde von einem hängengebliebenen
Mecklenburg-Vorpommener, vor der
Wende bei der Volksarmee, ganz
gemütlich eingerichtet, aber außer einem
jungen Dresdener, der den ganzen Abend
auf sein Laptop starrte und zu meinem
Gespräch mit dem Kneipenwirt über DDR
und Nachwendezeit innerhalb zweier
Stunden höchstens fünf jeweils einsilbige
Wörter dazu warf, verirrte sich so gut wie
niemand in das Lokal.
Die Hausbesitzer Sucres sind übrigens
verpflichtet, jährlich (oder war es
zweijährlich?) ihre Häuser neu zu
streichen, und die Farbe weiß ist
obligatorisch, ansonsten setzt es
empfindliche Geldstrafen.
Wenige Kilometer außerhalb Sucres steht
auf der Strasse Richtung Cochabamba der
„Cal Orck’o“, der Kalkberg, auf dem
Gelände einer Zementfabrik: Mein Ziel am
nächsten Tag. In einer riesigen 80 Grad
steilen Wand befinden sich die
weltberühmten Dinosaurierspuren; über
5000 von 332 Arten sollen es sein. Es wird
versucht, die Spuren vor der Verwitterung
zu schützen, durch Regenkanäle oben auf
der Wand (auch ein Dach, das müsste aber
gigantische Ausmaße haben, bzw. die
Versiegelung mit Silikon sei geplant); das
Unterfangen erscheint mir aber
aussichtslos. Die Schichten bröckeln leicht
ab (auch die Besucher durften
reingreifen); der einzige Vorteil ist, dass so
in tieferen Schichten neue Spuren
erscheinen, wie erst in diesem Jahr
geschehen. Möglicherweise
helfen dabei auch die
Erschütterungen durch die
schweren Erdbewegungs-maschinen der
Zementfabrik, die in wenigen Metern
Abstand von der Wand weiterhin tätig
sind.
Das Motorrad sollte
heute Vormittag
fertig sein; als ich da
hinkam, stand nur
das nackte Gerippe
des Rahmens dort, der Motor komplett in
Einzelteile zerlegt, zwei Ventile verrußt,
eines undicht. Neuer Termin: Vier Uhr
nachmittags. Jetzt ist es sieben Uhr
abends, und kein Moto da.
Aber kurz nach acht ist es da. Hoffentlich
hälts.
Entweder ist der Muttertag Schuld, oder
Sucre ist doch ein verdammt verschlafenes
Nest: Um halb Zehn abends sind vier
Leute im „Kulturcafé Berlin“, um halb elf
nur noch Einer: Ich. Auch die vielen
anderen Kneipen sind leer, das
„Gnadenlos“ mit den zwei etwas
verschreckten Typen sowieso.
Tagsüber ist es einiges wärmer als in La
Paz, aber nachts wird es jetzt auch in
Sucre (2750m) empfindlich kühl.