Diario de un motociclista/9 Sucre, 25.5.2006, km 2690 , Tag 27 Der Bericht brach ab in Zudañez. Sehr früh von Zudañez weiter, trotz Sonnenschein ist der spätherbstliche Fahrtwind kühl. In Tarabuco, auf über 3200m Höhe, erreiche ich nach zuletzt wieder einigen Tagen auf der Piste Asphalt. Auf der Plaza Central von Tarabuco marschieren Kinderschüler, stehen Menschen in farbenfrohen Trachten, die rissigen braunen Füße auch bei dieser Kälte ohne Socken in Sandalen, hält der Bürgermeister eine flammende Rede: Der 25. Mai ist der Jahrestag der Revolution , am 25.5.1809 begann der aus Ayacucho  stammende General José Sucre in der damals Chuquisaca genannten und heute nach ihm benannten Stadt den Unabhängigkeitskampf Amerikas von der spanischen Krone. Entsprechend geriet ich nach der etwa 60 km langen schönen Abfahrt von Tarabuco  ins Tal von Sucre in ein Verkehrschaos im Zentrum, alles war von der Polizei abgeriegelt. Nach mehreren Fahrten im Kreis im dortigen Einbahnstraßensystem hatte ich mich im Stossverkehr bis auf zwei Blocks an ein Hotel im Zentrum herangekämpft, wo ich dann endlich einen etwas unsicheren Polizisten erwischte, den ich dazu überreden konnte, mir die Sperre für das Motorrad zu öffnen, trotz seiner schwersten Bedenken ("Das geht nicht, gleich kommt der Präsident!!). Evo Morales verpasste ich dann, denn die Dusche nach zwei Tagen Staub und Schmutz und das erste Essen des Tages waren mir jetzt wichtiger. Auch in Sucre  sind die Hotels unglaublich günstig; das keinesfalls luxuriöse (trotz seiner vier Sterne, die offensichtlich vom Himmel gefallenen sind) aber mit heißer Dusche und geräumigen Zimmern versehene Hostal "Libertad", nur einen Block von der Plaza Central, der Plaza "25 de Mayo" gelegen, kostet USD 15 die Nacht.   Sucre, Freitag, den 26.5.2006, Tag 28 Schon nach zwei Tagen Aufenthalt wage ich zu behaupten: Sucre ist aufgrund seiner zahllosen weißen Kolonialbauten vor azurblauem Himmel die schönste, vielleicht auch die lebenswerteste Stadt Boliviens, wenn auch ein bisschen verschlafen. Das wäre vielleicht was für einen spanischsprechenden kneipenmögenden sonnenliebenden schwäbischen Rentner. Am gestrigen Nachmittag, oben auf der Plaza vor der Kirche „Recoleta“, hatte ich noch einen älteren vertrauenswürdigen Motorradfahrer angehalten und nach seinem Lieblingsmechaniker gefragt, und er zückte auch sogleich sein Adressbüchlein mit der Telefonnummer. Heute Vormittag übergab ich dann dem Mecanico das Moto (er erkannte sofort die XR). Ich bin das leidige Ölproblem satt und fürchte auch zunehmend einen Motorplatzer, da inzwischen auch blauer Rauch aus dem Auspuff kommt. Don Apolinar macht einen sachverständigen Eindruck. Hoffen wir, dass dies zutrifft. Der Rest des Tages: Kirchen und Museen, also ein pflichtkultureller Teil. Das „Museo de Historia Natural“ besitzt nur noch zwei Räume, jeweils mit humananatomischen Ausstellungsstücken. Das „Museo Universitario Charcas“ ist wesentlich umfangreicher, in einem sehr großen Kolonialgebäude, mit einer archäologischen-anthropologischen, einer kolonialen und einer Abteilung für zeitgenössische Kunst. Die meisten Kirchen sind außen schön und innen zu; mit Letzterem kann ich (nach dem ausgiebigen Misiones-Teil der Reise) jetzt gut leben.
Die Motor- radreise 2006 25 de mayo de 1809: grito libertario de chuquisaca © strapp 2010
Diario de un motociclista/9 Sucre, 25.5.2006, km 2690 , Tag 27 Der Bericht brach ab in Zudañez. Sehr früh von Zudañez weiter, trotz Sonnenschein ist der spätherbstliche Fahrtwind kühl. In Tarabuco, auf über 3200m Höhe, erreiche ich nach zuletzt wieder einigen Tagen auf der Piste Asphalt. Auf der Plaza Central von Tarabuco  marschieren Kinderschüler, stehen Menschen in farbenfrohen Trachten, die rissigen braunen Füße auch bei dieser Kälte ohne Socken in Sandalen, hält der Bürgermeister eine flammende Rede: Der 25. Mai ist der Jahrestag der Revolution , am 25.5.1809 begann der aus Ayacucho stammende General José Sucre in der damals Chuquisaca genannten und heute nach ihm benannten Stadt den Unabhängigkeitskampf Amerikas von der spanischen Krone. Entsprechend geriet ich nach der etwa 60 km langen schönen Abfahrt von Tarabuco  ins Tal von Sucre in ein Verkehrschaos im Zentrum, alles war von der Polizei abgeriegelt. Nach mehreren Fahrten im Kreis im dortigen Einbahnstraßensystem hatte ich mich im Stossverkehr bis auf zwei Blocks an ein Hotel im Zentrum herangekämpft, wo ich dann endlich einen etwas unsicheren Polizisten erwischte, den ich dazu überreden konnte, mir die Sperre für das Motorrad zu öffnen, trotz seiner schwersten Bedenken ("Das geht nicht, gleich kommt der Präsident!!). Evo Morales verpasste ich dann, denn die Dusche nach zwei Tagen Staub und Schmutz und das erste Essen des Tages waren mir jetzt wichtiger. Auch in Sucre  sind die Hotels unglaublich günstig; das keinesfalls luxuriöse (trotz seiner vier Sterne, die offensichtlich vom Himmel gefallenen sind) aber mit heißer Dusche und geräumigen Zimmern versehene Hostal "Libertad", nur einen Block von der Plaza Central, der Plaza "25 de Mayo" gelegen, kostet USD 15 die Nacht.   Sucre, Freitag, den 26.5.2006, Tag 28 Schon nach zwei Tagen Aufenthalt wage ich zu behaupten: Sucre ist aufgrund seiner zahllosen weißen Kolonialbauten vor azurblauem Himmel die schönste, vielleicht auch die lebenswerteste Stadt Boliviens, wenn auch ein bisschen verschlafen. Das wäre vielleicht was für einen spanischsprechenden kneipenmögenden sonnenliebenden schwäbischen Rentner. Am gestrigen Nachmittag, oben auf der Plaza vor der Kirche „Recoleta“, hatte ich noch einen älteren vertrauenswürdigen Motorradfahrer angehalten und nach seinem Lieblingsmechaniker gefragt, und er zückte auch sogleich sein Adressbüchlein mit der Telefonnummer. Heute Vormittag übergab ich dann dem Mecanico das Moto (er erkannte sofort die XR). Ich bin das leidige Ölproblem satt und fürchte auch zunehmend einen Motorplatzer, da inzwischen auch blauer Rauch aus dem Auspuff kommt. Don Apolinar macht einen sachverständigen Eindruck. Hoffen wir, dass dies zutrifft. Der Rest des Tages: Kirchen und Museen, also ein pflichtkultureller Teil. Das „Museo de Historia Natural“ besitzt nur noch zwei Räume, jeweils mit humananatomischen Ausstellungsstücken. Das „Museo Universitario Charcas“ ist wesentlich umfangreicher, in einem sehr großen Kolonialgebäude, mit einer archäologischen-anthropologischen, einer kolonialen und einer Abteilung für zeitgenössische Kunst. Die meisten Kirchen sind außen schön und innen zu; mit Letzterem kann ich (nach dem ausgiebigen Misiones-Teil der Reise) jetzt gut leben.
Die Motor- radreise 2006 25 de mayo de 1809: grito libertario de chuquisaca © strapp 2010