Zudañez, 24. Mai 2006, km 2580, Tag 26
Aufbruch aus La Higuera: Ende des revolutionsromantischen Teils der Reise.
Sowohl im Waschhaus in Vallegrande, als auch an den Gräbern, und auch im
Telegraphistenhäuschen in La Higuera umfängt mich trotzdem ein Gefühl
von, ich tue mich schwer, es auszudrücken, Geschichte, aber mehr noch von
einer gewissen Größe, und auch etwas von nahem Kampf und vielleicht auch
Verzweiflung. In der „Posada del Telegrafista“ bewahrt der Marseillaner (ca. 55, lebt mit
einer ca. 30-jährigen sehr blonden Französin in dieser völlig abgelegenen Gegend)
zahlreiche Literatur über Che Guevara auf; so auch sein „Bolivianisches Tagebuch“.
Die steinige und enge Strasse schlängelt sich nun in unzähligen Kurven und
in einer phantastisch schönen Landschaft talabwärts über etwa
30 km zum 1000 m tiefer gelegenen Rio Grande hinunter, der,
speziell in dieser Einsamkeit (kein Ort weit und breit; in den
nächsten Stunden begegnete mir nur ein Fahrzeug) von einer
futuristisch anmutenden Brücke überspannt wird. Dort ist es,
endlich nach vielen Tagen, sehr warm. Der Weg führt dann einige
Kilometer am Rio Grande entlang und steigt anschließend in
einem Seitental über die kleinen Dörfer mit den vermutlich
unerfüllten Namen „El Oro“ und „Nuevo Mundo“ hoch. Nach 115
km erreichte ich den etwas größeren Ort Villa Serrano. Dort ist ein lokaler
Feiertag, und nur mit Hilfe eines freundlichen Señors und nach einiger
Verzögerung (die entsprechenden Leute müssen erst gesucht werden)
konnte ich in einem Haus einige Liter Benzin und in einem anderen 1L
Motoröl erstehen. Obwohl inzwischen 3 Uhr nachmittags war, entschied ich mich, noch
weiterzufahren Richtung Sucre, ungeachtet der Tatsache, dass es ein einigermaßen
passables Alojamiento in Villa Serrano gibt. Gründe? Erstens hatte ich für die vom
Franzosen angegeben Sechs-Stunden-Wegstrecke bis Villa Serrano nur viereinhalb
Stunden gebraucht, zweitens gaben unabhängig voneinander zwei seriös erscheinende
Herren in Serrano an, dass es nur drei Stunden bis Sucre wären.
Pustekuchen. Nach 30 km versperrte ein gewaltiger Erdrutsch den Weg, war aber gerade
von einem Caterpillar, ich musste nur 10 Minuten warten, in sicher mehrstündiger Arbeit
weggeräumt worden. Dann ging es mindestens fünfmal durch Flüsse durch oder in ihnen
Hundert Meter entlang, jeweils stiefel-, und zum Teil auch hosenreinigend. Nach
weiteren 70 km Kiespiste und kurz vor dem Einnachten (für Nichtschweizer:
Dunkelwerden) kam ich in Zudañez an. Ein noch ursprünglicheres Kleinstädtchen. Die
Oma im einzig offenen Alojamiento verlangt für das Zimmer mit Licht
15 Bolivianos (ca. € 1,60), einige Hundert Meter weiter gibt’s dann ein
Kotelett mit Reis und Kartoffeln, das macht
inklusive
2 Flaschen „Sureña“-Bier zu je 0,62 L zusammen 19
Bs. Andenflöten ertönen draußen irgendwo, ich lege
mich mit zerschundenen Schulter- und
Handgelenken, wie jeden Abend mit dem Tockern meiner „Poderosa“,
meiner Honda, im Ohr, auf die durchgelegene, quietschende
Sprungfedermatratze; die zweite Nacht hintereinander mit allen Klamotten.
Zudañez, 24. Mai 2006, km 2580,
Tag 26
Aufbruch aus La Higuera: Ende
des revolutionsromantischen
Teils der Reise. Sowohl im
Waschhaus in Vallegrande, als
auch an den Gräbern, und auch
im Telegraphistenhäuschen in La
Higuera umfängt mich trotzdem ein
Gefühl von, ich tue mich schwer, es
auszudrücken, Geschichte, aber mehr
noch von einer gewissen Größe, und auch
etwas von nahem Kampf und vielleicht
auch Verzweiflung. In der „Posada del
Telegrafista“ bewahrt der Marseillaner
(ca. 55, lebt mit einer ca. 30-jährigen sehr
blonden Französin in dieser völlig
abgelegenen Gegend) zahlreiche Literatur
über Che Guevara auf; so auch sein
„Bolivianisches Tagebuch“.
Die steinige und enge Strasse schlängelt
sich nun in unzähligen Kurven und in
einer phantastisch schönen
Landschaft talabwärts über
etwa 30 km zum 1000 m tiefer
gelegenen Rio Grande
hinunter, der, speziell in dieser
Einsamkeit (kein Ort weit und breit; in
den nächsten Stunden
begegnete mir nur ein
Fahrzeug) von einer
futuristisch
anmutenden Brücke überspannt
wird. Dort ist es, endlich nach
vielen Tagen, sehr warm. Der
Weg führt dann
einige Kilometer am
Rio Grande entlang
und steigt anschließend in
einem Seitental über die kleinen Dörfer
mit den vermutlich unerfüllten Namen „El
Oro“ und „Nuevo Mundo“ hoch. Nach 115
km erreichte ich den etwas größeren Ort
Villa Serrano. Dort ist ein lokaler
Feiertag, und nur mit Hilfe eines
freundlichen Señors und nach einiger
Verzögerung (die entsprechenden Leute
müssen erst gesucht werden) konnte ich
in einem Haus einige Liter Benzin und in
einem anderen 1L Motoröl erstehen.
Obwohl inzwischen 3 Uhr nachmittags
war, entschied ich mich, noch
weiterzufahren Richtung Sucre,
ungeachtet der Tatsache, dass es ein
einigermaßen passables Alojamiento in
Villa Serrano gibt. Gründe? Erstens hatte
ich für die vom Franzosen angegeben
Sechs-Stunden-Wegstrecke bis Villa
Serrano nur viereinhalb Stunden
gebraucht, zweitens gaben unabhängig
voneinander zwei seriös erscheinende
Herren in Serrano an, dass es nur drei
Stunden bis Sucre wären.
Pustekuchen. Nach 30 km versperrte ein
gewaltiger Erdrutsch den Weg, war aber
gerade von einem Caterpillar, ich musste
nur 10 Minuten warten, in sicher
mehrstündiger Arbeit weggeräumt
worden. Dann ging es mindestens fünfmal
durch Flüsse durch oder in ihnen Hundert
Meter entlang, jeweils stiefel-, und zum
Teil auch hosenreinigend. Nach weiteren
70 km Kiespiste und kurz vor dem
Einnachten (für Nichtschweizer:
Dunkelwerden) kam ich in Zudañez an.
Ein noch ursprünglicheres
Kleinstädtchen. Die
Oma im einzig offenen
Alojamiento verlangt für
das Zimmer mit Licht 15
Bolivianos (ca. € 1,60),
einige Hundert Meter
weiter gibt’s dann ein
Kotelett mit Reis und
Kartoffeln, das macht
inklusive 2 Flaschen
„Sureña“-Bier zu je 0,62 L zusammen 19
Bs. Andenflöten ertönen draußen
irgendwo, ich lege mich mit
zerschundenen Schulter- und
Handgelenken, wie jeden Abend mit dem
Tockern meiner „Poderosa“, meiner
Honda, im Ohr, auf die durchgelegene,
quietschende Sprungfedermatratze; die
zweite Nacht hintereinander mit allen
Klamotten.