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Siegfried Trapp
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Dieser    Philosoph    tritt    nicht    als    Bescheidwisser    vor    sein Publikum   hin,   sondern   als   Wägender   und   Suchender,   der   mit allem,   was   er   sagt,   das   Gehäuse   der   unmittelbaren   Erfahrung, von   dem   er   ausgeht,   aufbrechen   und   es   eben   dadurch   sowohl sichtbar   als   auch   beherrschbar   machen   möchte.   Der   Stoiker ist    ein    ebenso    solidarischer    wie    kritischer    Beobachter    des Menschen,   der   sich   von   der   Abstimmung   der   persönlichen Lebensführung   mit   den   Gesetzen   der   Welt   den   Gewinn   der Autarkie erhofft. Das      ruhige      Leben,      das      ihm      vorschwebt,      ist      ein selbstbestimmtes,    weil    mit    der    stehenden    Weltordnung    in Einklang   gebrachtes   Leben,   und   genau   diese   Harmonie   ist   die erste   Bedingung   für   das   Glück   des   Menschen.   Während   das moderne   Glück   euphorisch   ist   und   sich   an   den   Augenblick bindet,   den   es   auszukosten   gilt,   will   dieses   antike   Glück   ein Zustand   sein,   bei   dem   es   auf   jene   Beständigkeit   wesentlich ankommt,    die    selbst    schon    Teil    dieses    Glücks    ist.    Die    aus Sicht         des         globalen         Amüsierbetriebs         befremdliche Verknüpfung    von    Glück    und    Ruhe    erklärt    sich    aus    dieser konträren     Hintergrunderwartung.     Der     eine     Glücksbegriff kreist    um    die    Intensität    des    Erlebens,     der    andere    um    die Sicherstellung   des   Überlebens.    Der   Stoiker   gibt   dem   Leben eine    Form    (forma    vitae),     die    stabil    genug    ist,    um    den Einzelnen      auch      gegen      schwerste      Schicksalsschläge      zu wappnen. Der Weg zu dieser Form personaler Identität ist hart und beschwerlich. Er führt über die strikte Lossagung von Falschheiten und Irrtümern, als entschlossene und tatkräftige, zuweilen auch schmerzliche Selbstbefreiung.  Quelle: Konersmann, Ralf: Die Unruhe der Welt
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