Südwesteuropa mit dem Roller: Etappe 2

Lyon bis Montpellier

Frankreich ist teurer als Deutschland: Die Hotels, die Restaurants, die Supermärkte.

Im Schnitt lege ich momentan täglich etwa 230 km zurück. Viele Stunden auf dem Roller, nach mehr als acht dröhnt allerdings der ganze Körper. Erste Zypressen tauchen auf, provenzalische Landschaft durch Weinfelder, warm: Im T-Shirt fahren. Die römischen Arenen, Orange, über Chateau-Neuf-du-Pape nach Avignon, dessen berühmte Brücke, Arles.

 

Infos und weitere Bilder zum römischen Theater in Orange

Dann nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Es war das letzte Ferienwochenende in Frankreich, und so hatten dies auch gefühlt Hundertausend Franzosen vor, eine endlose Blechkarawane ergoss sich in Richtung Meer, und ich schwamm darin, bzw. war ein Strömungshindernis mit meiner Reisegeschwindigkeit von bremsenden 60 bis 80 Stundenkilometern. Viele Franzosen halten keinen seitlichen Abstand beim Überholen; das nervt.

In Stes. Maries suchte ich den Campingplatz des Zeltfluges von 1983 auf (ich denke  wenigstens dass es dieser war, es gibt inzwischen mehrere), und versuchte dann den Ort schnellstmöglich zu verlassen: Vollgelaufen mit Touristen, aufgebläht gegenüber vor 33 Jahren. Und Staus, das hatte ich aber auch schon in Arles gehabt.

Das letzte Ferienwochenende in Frankreich bescherte mir dann noch eine böse Überraschung: Zum ersten Mal waren bei den gängigen Online-Hotelbuchern alle Hotels in 50 km Umgebung ausgebucht. Ich probierte es danach bei einem Onlinedienst, der private Unterkünfte vermittelt: Zwei Absagen bei angebotenen Unterkünften, zwei antworten nicht. Bei einer Unterkunft forderte mich der Onlineanbieter auf, in ein etwa 30 km enferntes Dörfchen zu fahren. Nach einigen Kilometern über einspurige Wege durch Weinfelder checkte ich nochmal die Nachrichten des Onlineanbieters: Absage jetzt. Im Niemandsland suchte ich erneut online nach einer Unterkunft: Nichts. Es wurde kühler, die Sonne war am Untergehen: In den Weinfeldern pennen? Liegematte und Sommerschlafsack hatte ich für Notfälle dabei, aber kein Essen, und die Aussicht, den Roller irgendwo ins Weinfeld zu schieben und dort zu schlafen, behagte mir nicht.

Übrigens war bei den Online-Hotelanbietern jeweils ein Zimmer frei, in normalen 3- oder 4-Sternehotels, für schlappe zwischen 320 und 1050 €, meist um die 500 € herum. Das sieht nach einem perversen Geschäftsmodell aus, das Notlagen ausnutzen möchte.

Nichts frei in Nîmes, nichts in Montpellier. Ich entschloss mich dazu, in den nächsten in meiner Fahrtrichtung gelegenen Ortschaften mit Hilfe von Internetinformationen Hotels aufzusuchen, die nicht bei den Online-Hotelbuchungsunternehmen geführt waren. Nichts in Grau-du-Roi, nichts in La Grande-Motte. Der nächste Ort in meiner Richtung war dann Lunel. Erstes Hotel: An der angegebenen Adresse war kein Hotel. Zweites Hotel: Nichts frei. Das dritte, eine fensterlose Absteige direkt an der Nationalstraße: Für € 66 zu haben. In der Not frisst der Teufel Fliegen, d.h. er nimmt auch eine überteuerte Absteige, die ein Fußschweißaroma ausdünstet.

Dann die Entschädigung: Gleich in der Nähe ein sehr gutes Essen in der „Crêperie d`Emilie„.

Ein 32 °C heißer Tag.

Der bekannte Onlinedienst Luft, Bett und Frühstück, der private Unterkünfte vermittelt, ist aus meiner Sicht nicht für kurzfristige Buchungen geeignet. Die meisten Privatanbieter reagieren sehr spät oder zu spät auf Anfragen, oder haben eine Unterkunft im Angebot, die schon belegt ist. Dennoch wird sofort die jeweilige Übernachtungsgebühr abgebucht. In zwei Fällen bekam ich sie danach zwar zurück erstattet, aber in einem Fall weigerte sich eine Anne, die sich erst kurz vor Mitternacht meldete, als ich schon die Absteige gebucht hatte, die Übernachtungsgebühr zurück zu erstatten. Damit war Luft, Bett und Frühstück für mich gestorben.

Zum dritten Teil: Montpellier bis Carcasonne